Immer wieder liest man im Netz von verzweifelten Zweiradfahrern, die festgestellt haben, dass sie ohne 2-Takt Öl gefahren sind. Doch wie lange ist es möglich ohne Zweitaktöl zu fahren? Und was sind die Auswirkungen?
Was passiert beim Fahren ohne 2T-Öl?
Wenn man ohne 2-Takt Öl fährt, dann werden Zylinder und Kolben nicht geschmiert. Die Folge davon ist ein „Klemmen“ oder „Fressen“.
Generell reiben ohne Schmierung die beweglichen Teile aneinander. Am Zylinder und Kolben entstehen Riefen, es folgt ein Kompressionsverlust und ein Weiterfahren ist nicht mehr möglich. Außerdem entwickeln sich hohe Temperaturen und letztendlich können die beweglichen Teile wie Kurbelwellenlager, Pleuellager, und Kolben mit ihrem jeweiligen Gegenspieler verschweißen.
Das „Klemmen“ kann sich derart bemerkbar machen, dass der Motor während der Fahrt einfach ausgeht. Anschließend ist ein Starten jedoch wieder möglich und man kann ganz normal weiterfahren. In diesem Fall bekommt man das Ganze also gar nicht direkt mit. Die beweglichen Teile können dabei – wenn man Glück hat – kaum Schaden getragen haben, so dass die vollständige Funktionsfähigkeit weiterhin gewährleistet ist. Dennoch können Riefen im Zylinder und ein Kompressionsverlust die Folge sein.
Das „Fressen“ ist der extremere und schlimmere Fall. Wenn blankes Metall auf Metall reibt entstehen hohe Temperaturen und die Metallteile können miteinander verschweißen (=“fressen“). Der Kolben, der sich normalerweise im Zylinder auf und ab bewegt, blockiert. Gerade bei schnelleren Maschinen oder wenn dieses Blockieren gerade in einer Kurve passiert, ist dies sehr gefährlich: Unfallgefahr! Das Fahren ohne Öl bedeutet früher oder später den sicheren Tod des Motors. Vor allem mit hohen Drehzahlen kann sich der Schaden auch auf andere Teile wie die Kurbelwelle übertragen.
Wie lange kann man ohne Öl fahren?
Das ist abhängig vom Motor, vom Material des Zylinders/Kolbens sowie von der Fahrweise. Normalerweise tritt bei normaler Fahrt bereits nach wenigen Kilometern ein Schaden ein.
Was ist nach dem Fahren ohne Öl zu tun?
Wenn man ohne Öl gefahren ist, und ein Klemmer/Fresser eingetreten ist, ist folgendes zu tun. Hat man selbst keine Ahnung von der Materie, ist es sinnvoll eine Werkstatt aufzusuchen. Bei handwerklichem Geschick kann man die weitere Funktionsfähigkeit auch selbst überprüfen:
War die Folge nur ein Klemmen, kann sich das ganze eventuell nur auf die Kolbenringe ausgewirkt haben. Sind diese beschädigt, kann keine vollständige Kompression mehr aufgebaut werden. Um das herauszufinden kann man die Kompression messen.
Meistens macht sich das Fahren ohne Öl primär an Kolben und Zylinder bemerkbar. Wenn man Glück hat, tragen Kurbelwelle und andere Lager keinen Schaden davon. Kolben und Zylinder sollten daher genau inspiziert werden und wenn man Riefen oder ähnliches feststellt, ist mindestens ein neuer Zylinder mit Kolben notwendig. In vielen Fällen kommt man daran leider nicht vorbei.
Außerdem sehr wichtig: Hat man bei Getrenntschmierung den Öltank komplett leer gefahren, dann muss die Ölpumpe nach dem Wiederauffüllen unbedingt entlüftet werden!